Nachsuchenring Rheingau-Taunus seit 2008

Auf der Burg Hohenstein im Aartal gründete sich am 24.6.2008 der Nachsuchenring Rheingau-Taunus. Viele Gespanne kennen sich bereits seit vielen Jahren.

Foto: Markus Stifter

Heute stehen 10 Gespanne mit Hannoverschen oder Bayerischen Gebirgsschweißhunden und ihren Führern auf der Karte der Nachsuchenbereitschaft (siehe Abbildung ). Davon sind noch sechs Gründungsmitglieder.

Schweißhundeführer sind Idealisten, die mit ihrem Hund zusammenwachsen und eine Einheit bilden wollen, um die verletzte Kreatur, sei es durch einen Schuss oder durch einen Verkehrsunfall, von ihren Leiden zu erlösen.

Wozu denn ein Nachsuchenring?

Sie sind aber auch Individualisten. Was führt sie zu einem Nachsuchenring zusammen?

Sich gegenseitig zu vertreten, die Arbeit jüngerer Hunde zu verifizieren und unsere Arbeit in einer Satzung klar zu regeln sowie gemeinsame Fortbildung und Darstellung nach außen sowie eine nachvollziehbare Unterstützung der Jägerschaft auf großer Fläche waren einige unserer Motive, uns zusammenzuschließen.

Einsatzgebiet

In den letzten 10 Jahren wurde in folgenden Gebieten nachgesucht:

  • Rhein-Lahn-Kreis (Rheinland-Pfalz)
  • Odenwald
  • Rheingau-Taunus-Kreis
  • Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz)
  • LHS Wiesbaden
  • Main-Taunus-Kreis
  • Hochtaunuskreis
  • Rheinhessen/ Bingen

 

Bilanz

Unsere Gespanne haben in diesen Gebieten in den letzten zehn Jahren über 5200 Einsätze durchgeführt auf  Rot-,Schwarz-,Muffel-, Dam- und Rehwild. Darunter waren über 500 Hetzen.Der Gesamterfolg lag bei rund 60%.

Das gerettete Wildbret ist dabei nicht vorrangig, sondern entscheidend ist unabhängig von der Verwertbarkeit die Kreatur von ihren Qualen zu erlösen.

Die Wildbretmasse lag  etwa bei 25000 kg.

 

 Drückjagdbetreuung und andere Aktivitäten

Außer den eigentlichen Nachsuchen  haben unsere Mitglieder jeweils einzeln oder auch zu zweit oder mit anderen Partnern  über 25 Anschussseminare durchgeführt, ferner interne Veranstaltungen wie Fortbildung in Erster Hilfe sowie Spezialschießtraining (siehe Foto ).

Spezialtraining 2017 mit Nachsuchenwaffe, Kurzwaffe und Jagdbüchse

Foto: Lothar Cramer

Es hat sich bewährt, aus der Nachsuchenbereitschaft zwei oder mehr Nachsuchenführer für die Betreuung  einer oder mehrerer benachbarter Drückjagden vorzusehen.

Unsere Mitglieder haben ausreichend Jagdgelegenheit. Es kommt ihnen nicht so sehr darauf an, bei der Jagd als Schütze dabei zu sein, sondern es reicht oft, mittags an einem Treffpunkt zu sein, um die Anschüsse „abzuarbeiten“.

Wir empfehlen bei den Drückjagden im November oder Dezember mittags gegen 13.00 Uhr Schluss zu machen.

So können bei gutem Licht zuerst Totsuchen durchgeführt und das Wildbret verwertet werden. Denn auch die Bergung dauert ihre Zeit.

Jagdtage, die bis 16.00 Uhr gehen, versinken bei hereinbrechender Dunkelheit oft im organisatorischen Chaos.

Die schwierigeren Suchen können ohnehin meist erst am Folgetag abgeschlossen werden.

Nachsuche im steilen Rheinhang. Foto: Lothar Cramer

Sofern die eine oder andere davon am ersten Tag bereits erledigt werden kann, umso besser.

Foto: Lothar Cramer

Sau mit Krellschuß und Splitter im Thorax

Nur Schweißhunde aus anerkannter Zucht

Wir fördern die leistungsgerechte Zucht im Verein Hirschmann sowie im Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde sowie auch das Prüfungswesen in diesen Verbänden sowie auf europäischer Ebene im Internationalen Schweißhundverband.

Nur so sehen wir das Wesen der schwierigen Nachsuchen auch in Zukunft gesichert.

Den Revierpächtern und -Pächterinnen raten wir, in ihrem Revier nur Nachsuchengespanne einzusetzen, die anerkannt sind und deren Hunde reguläre FCI-Papiere haben und nicht den Schwarzzuchten entstammen.

Schwarzzüchter wollen nur Geld verdienen und konterkarieren die systematische, nachhaltige Zucht gesunder, guter Hunde.

Das gilt prinzipiell für alle Jagdhunderassen.

 

Zusammenarbeit

An dieser Stelle  danken wir besonders  auch all denen Hundeführerinnen und Hundeführern, die mit Jagdgebrauchshunden anderer Rassen ebenso wichtige Nachsuchenarbeit leisten.

Dabei ist es gleich, ob ein kranker Fuchs, ein geflügelter Fasan oder ein Keiler nachgesucht wird. Es ist entscheidend, sich um die verletzte Kreatur zu kümmern .

Wir möchten der Jägerschaft helfen und keine Konkurrenz entfachen.

Es ist kein Problem, nach dem erfolglosen Einsatz eines anderen Hundes eines unserer Gespanne zu rufen.

Es sollte – eine Bitte – vorher allerdings keine heiße Hündin eingesetzt werden und die Fährte, soweit durch Pirschzeichen zu bestätigen, deutlich markiert sein.

 

Respekt vor der Kreatur verbessern

Sinn der Anschussseminare unserer Mitglieder ist vorrangig, sich vor dem Schuss zu überlegen: „Kann ich das Stück sicher treffen?“ und nach dem Schuss alles zu tun, um den Treffer aufzuklären.

Wenn ich mich frage : „ Wie hat sich in den letzten zehn Jahren das Verhältnis zum Wild, zur Kreatur verändert?“ muss ich einen positiven und einen negativen Trend vermelden.

Positiv treffe ich viele Pächterinnen und Pächter, die absolut sorgfältig jeden Schuss in ihrem Revier aufklären wollen.

Auf der anderen Seite hat leider auch die Zahl der „Rambos“ zugenommen. Sie haben mitunter gute Ergebnisse im Schießkino. Aber draußen fehlt oft die Sensibilität vor der Kreatur, die sich im schlimmsten Fall mit einer Verletzung lange quälen muss.

Insbesondere bei den Sauen ist hier oft Selbstkritik angebracht.

Zum Beispiel: anstatt auf die Kammer zu zielen, wird mitunter der fatale Versuch unternommen, den Kopf oder hinter den Teller zu treffen. Gebrechschüsse sind oft die Folge, die auch mit einem Schweißhund oft nicht zu bekommen sind, da der Bewegungsapparat ja nicht betroffen ist und sich das Stück sehr oft nicht stellt.

 

Ausblick

Alle unsere Gespanne haben eine hessenweite Anerkennung durch das Regierungspräsidium Kassel.

Leider fehlt in Hessen immer noch eine Aufwandsentschädigung seitens des Landes, wie z. B. in Rheinland-Pfalz üblich.

Für die anfordernden Jägerinnen und Jäger arbeiten wir ehrenamtlich, d. h. kostenlos. Üblich ist eine Spende in Höhe der Fahrtkosten (30 Cent pro km).

Wir haben uns auch etwas verjüngt. Dieser Prozess muss weitergehen.

Wir sind offen für junge Jägerinnen und Jäger, die aus dem Verein Hirschmann oder Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde kommend, sich dauerhaft bei uns der harten Nachsuchenpraxis verschreiben wollen.

Nicht nur für Nachsuchen und Kontrollsuchen, sondern auch für Fragen und Beratung sind wir jederzeit ansprechbar.

 

Fotos einiger derzeit eingesetzter Hunde

 Hier eine Auswahl der zur Zeit eingesetzten Hunde. Die Kurzbeschreibungen heben die „Persönlichkeitsmerkmale“ hervor.

Eik vom Marienbrunn, Zuchtbuch HS 2830, WT 19.2.2009

Führerbezogener Rüde mit ausgeprägtem Finderwillen ( Eigentümer und Führer Ralf Bördner )

Hera von der Nordeifel, Zuchtbuch HS 2933, WT 10.7.2010

Hündin mit beeindruckender Arbeitsweise, ehrgeizige Eigenkorrektur, Besitzer und Führer Winfried Wagner

Lupo vom Wolfskopf, Zuchtbuch HS 3213, WT 14.4.2015

Scharfer, hetzstarker Rüde, Eigentümer und Führer Dominic Steinborn

Nele vom Laubustal, Zuchtbuch BGS 11-051, WT 8.5.2011

Sehr ausgeglichene, ruhige Hündin ,Eigentümer und Führer Jürgen Zenner

Karlotta vom Kyffhäuser, Zuchtbuch BGS 14-029, WT 20.5.2014;

Leichte Hündin mit großem Fährtenwillen, Eigentümer und Führer Dirk Hannappel, derzeit nur örtlich eingesetzt

Ranie von der Ahle-Ritz, genannt Amsel, Zuchtbuch HS 2933,WT 12.3.2014

Ruhige, ausgeglichene und wesensfeste Hündin, Eigentümer und Führer Thomas Dichtl

Tora vom Rumpelsberg, Zuchtbuch BGS 11-45, WT 5.4.2011;

Sehr selbstbewusste, autonome Hündin mit unbändigem Arbeitswillen, Eigentümer und Führer Lothar Cramer

Celine von der Stellwand, gewölft 2017, mit Vorprüfung Zuchtbuch-Nr. 3354

Selbstbewusste Nachwuchshündin
Zuchtbuch-Nr. 3354

Grenzüberschreitende Nachsuchen

Leider lässt es sich weder im Straßenverkehr noch bei der Jagd vermeiden, das Wild verletzt wird und dann größere Strecken zurücklegt.

Es möglichst schnell von seinen Leiden zu erlösen, muss oberstes Prinzip sein.

Nach der Änderung des Hessischen Jagdgesetzes 2011 wurde das Nachsuchenwesen in Hessen neu geregelt, insbesondere in § 27 Abs.6.

Der Gesetzgeber trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Schalenwild (Rot-,Dam-,Muffel- Schwarz- und seltener Rehwild ) bei Schussverletzungen oft sehr weite Strecken durch mehrere Reviere zurücklegt. Für Nachsuchengespanne waren früher an den Reviergrenzen zeitraubende Rückfragen und Verzögerungen erforderlich. Dadurch wurde verletztes Wild oft nur schwer oder gar nicht gefunden.

Seit November 2013 erkennt die  dafür zuständige Obere Jagdbehörde in Kassel Schweißhundgespanne an, die einschließlich einer Begleitperson mit Hund und unter Mitführung der Schusswaffen unabhängig von den Grenzen von Jagdbezirken und Hegegemeinschaften in Hessen Nachsuchen auf Schalenwild ohne Voranmeldung oder Genehmigung der Jagdausübungsberechtigten, in deren Jagdbezirk das kranke Stück Schalenwild eingewechselt ist, durchführen dürfen.

Erfolgreiche Nachsuche nach Passage von 3 Revieren.

Erfolgreiche grenzüberschreitende Nachsuche nach Passage von 3 Revieren. Foto: Lothar Cramer

Die Jagdausübungsberechtigten sind  danach gemäß den Wildfolgebestimmungen umgehend zur unterrichten.

Die Gespanne müssen, um anerkannt werden zu können, einen einheitlichen Anforderungskatalog erfüllen.

Das ist z. B. für die Bayerischen und Hannoverschen Schweißhunde die Vor-und/oder Hauptprüfung und für andere Hunderassen eine Schweißprüfung im Range einer Verbandsschweißprüfung oder eine Fährtenschuhprüfung gleichen oder höheren Schwierigkeitsgrades.

Der tierschutzgerechten Nachsuche, d. h. verletztes Wild, sei es nun angefahren oder schußverletzt, so schnell wie möglich zu erlösen, kann in der Praxis nun besser als vorher nachgekommen werden.

Die Gespanne des Nachsuchenringes haben diese Anerkennung.

Die Anerkennungskriterien im einzelnen und die in Hessen zugelassenen Gespanne können auf der Homepage des Regierungspräsidiums Kassel (PDF) eingesehen werden.

Der Nachsuchenring empfiehlt, nur Gespanne einzusetzen, die diese landesweite Anerkennung haben.

Wild kennt schließlich keine Reviergrenzen.

Lothar Cramer

Was tun bei einem Wildunfall

Es ist eine raue Novembernacht in der sich Frau M. mit ihrem Pkw auf der Heimfahrt befindet. Es regnet in Strömen und die Sicht ist stark begrenzt. Beim Durchfahren eines Waldstückes passiert es wie aus heiterem Himmel!

Ein dunkler Schatten gefolgt von einem dumpfen Aufprall der das Fahrzeug erschüttert, zeugt von der Kollision mit einem größeren Tier. Auf der regennassen Straße kam der Pkw erst einige Meter weiter zum Stillstand. Bei der Fahrzeugkontrolle stellte Frau M. fest, dass an ein weiterfahren nicht zu denken ist. Der rechte Kotflügel ist stark eingebeult und blockiert das Vorderrad auch die Fahrzeugbeleuchtung ist defekt, das Tier ist im Wald verschwunden.

Der Albtraum eines jeden Autofahrers ist eingetreten!

Was ist in einem solchen oder ähnlichen Falle zu tun?

Sofern keine Personenschäden zu beklagen sind, die Rettungsmaßnahmen erforderlich machen, ist in jedem Falle die Unfallstelle abzusichern und für eventuelle Folgemaßnahmen kenntlich zu machen. Dies kann ganz einfach durch zurücklassen eines Gegenstandes am Fahrbahnrand wie z.B. einer Plastiktüte, einem Papiertaschentuch oder einem anderen Gegenstand geschehen.

Foto: Thorben Wengert, Pixelio.de

Als nächstes ist die Notrufnummer der Polizei 110 anzuwählen und der Wildunfall mit Ortsangabe und Sachverhalt zu melden. Die Polizeidienststelle wird baldmöglichst einen Einsatzwagen entsenden und das weitere Vorgehen übernehmen, sowie ihnen für die Schadensregulierung eine Wildunfallbescheinigung ausstellen die von ihrer Kfz-Versicherung zwingend verlangt wird.

Sollte die Ausstellung einer Bescheinigung durch die Beamten nicht möglich sein, kann eine Wildunfallbescheinigung auch vom zuständigen Jäger bzw. jeweils zuständigen Forstamt (für Staatsreviere) ausgestellt werden.

Was geschieht nun im Hintergrund in der weiteren Folge?

Auf jeder Polizeidienststelle sind die verantwortlichen Jäger/Jagdaufseher oder Forstämter registriert, die für den entsprechenden Abschnitt in dem der Unfall geschehen ist, zuständig sind. Diese werden in aller Regel umgehend durch die Polizei informiert um dem verletzten Tier weitere Qualen zu ersparen bzw. dieses zu bergen und entsprechend zu versorgen.

Sollte das verunfallte Tier nicht auffindbar sein, treten in solchen Fällen sehr oft die angeforderten Gespanne des Nachsuchenrings Rheingau-Taunus mit ihren Hunden in Aktion und versuchen dem verletzten Wild habhaft zu werden, um ihm womöglich langes Siechtum, hervorgerufen durch innere oder andere Verletzungen, zu ersparen, bzw. seine Leiden zu verkürzen. Oft geht eine solche Nachsuche über viele Kilometer bei jedem Wetter und durch jedes Gelände und Vegetation.

Diese Arbeit ist für Hund und Führer sehr anspruchs- und gefahrvoll, deshalb sollten Informationen auf die Wildart, Fluchtrichtung, Verhalten usw. immer durch den/die Unfallfahrer den Polizeibeamten mitgeteilt werden, die dann die Informationen an die Verantwortlichen weitergeben, um ihnen für das weitere Vorgehen wichtige Anhaltspunkte zu liefern.

In jedem Falle sollte die Fahrzeuggeschwindigkeit immer den jeweiligen Tages und Geländeverhältnissen angepasst sein. Wildtiere sind unberechenbar in ihren Handlungen und können Geschwindigkeiten mit denen sich unsere Fahrzeuge bewegen nicht einschätzen.

Die Gefahr in einen Wildunfall verwickelt zu werden ist im ganzen Jahresablauf, unabhängig von Tages- bzw. Nachtzeiten  immer gegeben.

Foto: Gerhard Niessner, Nachsuchenring Rheingau-Taunus

Oft suchen Tiere an Straßenrändern im Grünstreifenbereich nach Nahrung oder nehmen nur Erde auf die vom Winterstreudienst mit Salz versetzt ist oder wechseln vom Wald in den Feldbereich und zurück um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Auch in Paarungszeiten sind die Tiere vermehrt unterwegs und wechseln über Straßen ohne Gefahren zu erkennen.

Jeder Fahrzeuglenker kann in die Situation geraten mit Wildtieren zu kollidieren und sollte dann in der Lage sein richtig zu handeln.

Dennoch ist es weder dem Menschen noch dem Tier zu wünschen eine solche Erfahrung zu machen.

Autor: Gerhard Niessner / Markus Stifter

Erste Hilfe für den Jagdhund

Am Samstag, 06.06.09 hatte der Nachsuchenring Rheingau-Taunus seine Mitglieder und einige befreundete Hundeführer zu einem „Erste-Hilfe-Kurs“ für Hunde in das Jagdhaus des Hofguts Mappen eingeladen.

Erste Hilfe am Jagdhund mit Frau Dr. Hauptmann

Erste Hilfe am Jagdhund mit Frau Dr. Hauptmann

 

Besonders auf der Nachsuche und bei Drückjagden sind die eingesetzten Hunde einem hohem Verletzungsrisiko ausgesetzt. Für dieses spezielle Themengebiet konnte Jürgen Zenner die Tierärztin und Tier-Chiropraktikerin Frau Dr. Carola Hauptmann aus Bad Soden als Referentin gewinnen. Frau Dr. Hauptmann betreibt eine mobile Chiropraxis für Tiere, geht gemeinsam mit Ihrem Mann und Terrierrüde „Theo“  zur Jagd. Aus eigener Erfahrung bei Drückjagden weiß Sie, wie schnell ein Hund z. B. durch wehrhaftes Wild lebensbedrohlich verletzt werden kann.

 

Während ihres rund zweistündigen Vortrages erläutert sie die sog. A-B-C Methode, nach dieser es jedem Laien möglich ist, den Gesundheitszustand des Hundes z. B. nach einer Verletzung richtig einzuschätzen und die erforderlichen Erstmaßnahmen zu ergreifen.

 

 „A“ steht für Atmung, „B“ für Bewußtsein und „C“ für Kreislauf. Jeder Hundeführer sollte seinen vierbeinigen Jagdgefährten nach diesem einfachen Muster beurteilen können. Atmet der Hund erschwert, bzw. ist die Atmung behindert? Reagiert der Hund noch oder ist er bewußtlos? Kann ich den Puls – den man übrigens an der Innenseite des Hinterlaufes einfach ertasten kann – noch fühlen? Je nach festgestellter Beeinträchtigung muß sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen werden, bevor professionelle Hilfe beim Tierarzt oder in der Tierklinik zur Verfügung steht.

 

Häufig kommen auch stumpfe Verletzungen vor, die äußerlich nicht erkennbar sind. Doch gerade bei diesen stumpfen Traumata ist höchste Aufmerksamkeit geboten. Eine stumpfe Gewalteinwirkung kann z. B. eine innere Blutung oder ein Lungenödem zur Folge haben, obwohl der Hund anfangs noch keine Symptome dafür zeigt. Daher sollte nach einer solchen Verletzung der Hund über mehrere Stunden beobachtet werden und keinesfalls im Zwinger untergebracht werden, um beim Auftreten der ersten Symptome schnell handeln zu können. Nicht selten hat ein nicht rechtzeitig erkannter Schockzustand nach einem Verletzungstrauma schon zum Verlust des treuen Jagdgefährten geführt. Daher sollte im Zweifelsfall immer ein Tierarzt aufgesucht werden. Unnötig langes Abwarten führt häufig zu längerem Leiden und erhöhten Behandlungskosten.

 

Praxisnah erläuterte Frau Dr. Hauptmann an ihrem Terrier das Anlegen eines Druckverbandes und weiterer Erste-Hilfe-Maßnahmen bei unterschiedlichen Verletzungsmustern. Jeder Jäger sollte zur Erstversorgung seines Hundes Verbandsmaterial und Gewebe bzw. Tapeband mit sich führen. Bei Verbänden ist darauf zu achten, daß diese möglichst mit Watte „unterpolstert“ und „schräg“ z. B. am Lauf gewickelt werden, um Abschnürungen zu vermeiden. Im Notfall sollte möglichst eine zweite Person zur Verfügung stehen, die beim Bergen des Tieres helfen und später mit einem Fahrzeug zum Tierarzt oder zur Tierklinik fahren kann.

 

Gerade bei Drückjagden, wo häufig auch auswärtige Jagdgäste eingeladen sind, empfiehlt die Referentin bereits auf der Einladung oder einem Standzettel die Rufnummern von ortsansässigen Tierärzten und der nächsten Tierklinik zu vermerken. Vorteilhaft ist es auch, wenn bereits im Vorfeld einer Jagd die Dienstbereitschaft bei Tierärzten in der Umgebung angefragt wird. Für die nun kommenden Sommermonate wies Frau Dr. Hauptmann noch einmal darauf hin, daß selbst bei niedrigen Außentemperaturen ein Hund niemals im geschlossenen Fahrzeug zurück gelassen werden sollte. Schon bei geringer Sonneneinstrahlung kann sich der Innenraum auf gefährlich hohe Temperaturen aufheizen.  

 

Außerdem sollte es für jeden Jäger selbstverständlich sein, für seinen Hund während und nach einer Jagd (gerade bei Maisjagden!) immer ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung zu halten.

 

Im Namen aller Teilnehmer bedankte sich Lothar Cramer bei Frau Dr. Hauptmann für ihren kurzweiligen und praxisnahen Vortrag mit einem Geschenkpaket Rheingauer Wein.

Zum Ausklang der gelungenen Veranstaltung gab es Köstlichkeiten vom Grill. Der Nachsuchenring dankt noch einmal recht herzlich der Referentin für Ihren Vortrag und dem Hofgut Mappen für die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten.

 

Text und Bilder: Markus Stifter

Schweißhundeinsatz für den Tierschutz

Acht Nachsuchengespanne aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, bestehend aus professionellen Hundeführern und ihren speziell ausgebildeten und geprüften Hunden trafen sich auf der Burg Hohenstein bei Bad Schwalbach und gründeten den „Nachsuchenring Rheingau-Taunus“. Die Mitglieder des Nachsuchenrings sind allesamt erfahrene Jäger und arbeiten schon seit Jahren eng zusammen.  

Die Nachsuche von angeschweißtem oder im Straßenverkehr verletztem Wild ist praktizierter Tierschutz und bewahrt ein krankes Stück Wild vor weiteren  Leiden.

Die Hundeführerinnen und Hundeführer vollbringen bei Wind und Wetter mit ihren Schweißhunden Höchstleistungen auf der Wundfährte. Die teilweise über 20 Stunden alten Fährten können nur von echten Spezialisten erfolgreich gearbeitet werden.

Dazu gehört z. B. die über hundert Jahre alte Rasse des „Hannoverschen Schweißhundes“ oder sein ursprünglich für die Bergjagd gezüchteter, etwas kleinerer Verwandter, der „Bayerische Gebirgsschweißhund“, der seit  96 Jahren in den  einschlägigen Zuchtbüchern vermerkt ist. Die Zuchtherkunft allein reicht aber nicht: die eingesetzten Hunde müssen sich vor dem Einsatz in der Praxis zwei schwierigen Prüfungen unterziehen.

 

Die Satzung gibt dem „Nachsuchenring Rheingau-Taunus“ einen Rahmen und regelt beispielsweise auch die Nachwuchsförderung. Auf umfangreiche Vereinsregularien wurde bewußt verzichtet, um sich ganz auf den professionellen und hochqualifizierten Fährteeinsatz zu konzentrieren. Die häufig nicht ungefährliche Nachsuchenarbeit verstehen die acht Gründungsmitglieder dabei vor allem als angewandten Tierschutz. Die Arbeit auf der roten Fährte üben sie ausschließlich ehrenamtlich in ihrer Freizeit aus und erwarten dafür keine Entlohnung. Ein Fahrtkostenzuschuß sieht die Jägerschaft jedoch als selbstverständlich an.

Jedes der Mitglieder des Nachsuchenrings Rheingau-Taunus hat ca. 50 – 100 Nachsucheneinsätze pro Jahr in einem Umkreis von ca. 100 km. Dabei wird eine bejagbare Fläche von ca. 100.000 ha abgedeckt.

Der „Nachsuchenring Rheingau-Taunus“ arbeitet ebenfalls sehr eng mit den Mitgliedern des „Nachsuchenrings Odenwald-Bergstraße“ zusammen, ergänzt sich oder hilft sich auch bei Engpässen gegenseitig aus.