Zehn Jahre Nachsuchenring Rheingau-Taunus

Auf der Burg Hohenstein im Aartal gründete sich am 24.6.2008 der Nachsuchenring Rheingau-Taunus. Viele Gespanne kannten  sich bereits seit vielen Jahren.

Foto: Markus Stifter

 

Heute stehen 10 Gespanne mit Hannoverschen oder Bayerischen Gebirgsschweißhunden und ihren Führern auf der Karte der Nachsuchenbereitschaft (siehe Abbildung ). Davon sind noch sechs Gründungsmitglieder.

Schweißhundeführer sind Idealisten, die mit ihrem Hund zusammenwachsen und eine Einheit bilden wollen, um die verletzte Kreatur, sei es durch einen Schuss oder durch einen Verkehrsunfall, von ihren Leiden zu erlösen.

Wozu denn ein Nachsuchenring?

Sie sind aber auch Individualisten. Was führt sie zu einem Nachsuchenring zusammen?

Sich gegenseitig zu vertreten, die Arbeit jüngerer Hunde zu verifizieren und unsere Arbeit in einer Satzung klar zu regeln sowie gemeinsame Fortbildung und Darstellung nach außen sowie eine nachvollziehbare Unterstützung der Jägerschaft auf großer Fläche waren einige unserer Motive, uns zusammenzuschließen.

Einsatzgebiet

In den letzten 10 Jahren wurde in folgenden Gebieten nachgesucht:

  • Rhein-Lahn-Kreis (Rheinland-Pfalz)
  • Odenwald
  • Rheingau-Taunus-Kreis
  • Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz)
  • LHS Wiesbaden
  • Main-Taunus-Kreis
  • Hochtaunuskreis
  • Rheinhessen/ Bingen

 

Bilanz

Unsere Gespanne haben in diesen Gebieten in den letzten zehn Jahren über 5200 Einsätze durchgeführt auf  Rot-,Schwarz-,Muffel-, Dam- und Rehwild. Darunter waren über 500 Hetzen.Der Gesamterfolg lag bei rund 60%.

Das gerettete Wildbret ist dabei nicht vorrangig, sondern entscheidend ist unabhängig von der Verwertbarkeit die Kreatur von ihren Qualen zu erlösen.

Die Wildbretmasse lag  etwa bei 25000 kg.

 

 Drückjagdbetreuung und andere Aktivitäten

Außer den eigentlichen Nachsuchen  haben unsere Mitglieder jeweils einzeln oder auch zu zweit oder mit anderen Partnern  über 25 Anschussseminare durchgeführt, ferner interne Veranstaltungen wie Fortbildung in Erster Hilfe sowie Spezialschießtraining (siehe Foto ).

Spezialtraining 2017 mit Nachsuchenwaffe, Kurzwaffe und Jagdbüchse

Foto: Lothar Cramer

 

Es hat sich bewährt, aus der Nachsuchenbereitschaft zwei oder mehr Nachsuchenführer für die Betreuung  einer oder mehrerer benachbarter Drückjagden vorzusehen.

Unsere Mitglieder haben ausreichend Jagdgelegenheit. Es kommt ihnen nicht so sehr darauf an, bei der Jagd als Schütze dabei zu sein, sondern es reicht oft, mittags an einem Treffpunkt zu sein, um die Anschüsse „abzuarbeiten“.

Wir raten immer wieder davon ab, einen Jagdtag „bis zum Anschlag“ zu nutzen, d. h. im November oder Dezember mittags gegen 13.00 Schluss zu machen.

So können bei gutem Licht zuerst Totsuchen gemacht und das Wildbret verwertet werden. Denn auch die Bergung dauert ihre Zeit.

Jagdtage, die bis 16.00 Uhr gehen, versinken bei hereinbrechender Dunkelheit oft im organisatorischen Chaos.

Die schwierigeren Suchen können ohnehin meist erst am Folgetag abgeschlossen werden.

Nachsuche im steilen Rheinhang. Foto: Lothar Cramer

Sofern die eine oder andere davon am ersten Tag bereits erledigt werden kann, umso besser.

Foto: Lothar Cramer

Sau mit Krellschuß und Splitter im Thorax

 

Nur Schweißhunde aus anerkannter Zucht

Wir fördern die leistungsgerechte Zucht im Verein Hirschmann sowie im Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde sowie auch das Prüfungswesen in diesen Verbänden sowie auf europäischer Ebene im Internationalen Schweißhundverband.

Nur so sehen wir das Wesen der schwierigen Nachsuchen auch in Zukunft gesichert.

Den Revierpächtern und -Pächterinnen raten wir, in ihrem Revier nur Nachsuchengespanne einzusetzen, die anerkannt sind und deren Hunde reguläre FCI-Papiere haben und nicht den Schwarzzuchten entstammen.

Schwarzzüchter wollen nur Geld verdienen und konterkarieren die systematische, nachhaltige Zucht gesunder, guter Hunde.

Das gilt prinzipiell für alle Jagdhunderassen.

 

Zusammenarbeit

An dieser Stelle  danken wir besonders  auch all denen Hundeführerinnen und Hundeführer, die mit Jagdgebrauchshunden anderer Rassen ebenso wichtige Nachsuchenarbeit leisten.

Dabei ist es gleich, ob ein kranker Fuchs, ein geflügelter Fasan oder ein Keiler nachgesucht wird. Es ist entscheidend, sich um die verletzte Kreatur zu kümmern .

Wir möchten der Jägerschaft helfen und keine Konkurrenz entfachen.

Es ist kein Problem, nach dem erfolglosen Einsatz eines anderen Hundes eines unserer Gespanne zu rufen.

Es sollte- eine Bitte- vorher allerdings keine heiße Hündin eingesetzt werden und die Fährte, soweit durch Pirschzeichen zu bestätigen, deutlich markiert sein.

 

Respekt vor der Kreatur verbessern

Sinn der Anschussseminare unserer Mitglieder ist vorrangig, sich vor dem Schuß zu überlegen: „kann ich das Stück sicher treffen?“ und nach dem Schuss alles zu tun, um den Treffer aufzuklären.

Wenn ich mich frage : „ wie hat sich in den letzten zehn Jahren das Verhältnis zum Wild, zur Kreatur verändert?“ muss ich einen positiven und einen negativen Trend vermelden.

Positiv treffe ich viele Pächterinnen und Pächter, die absolut sorgfältig jeden Schuss in ihrem Revier aufklären wollen.

Auf der anderen Seite hat leider auch die Zahl der „Rambos“ zugenommen. Sie haben mitunter gute Ergebnisse im Schießkino. Aber draußen fehlt oft die Sensibilität vor der Kreatur, die sich im schlimmsten Fall mit einer Verletzung lange quälen muss.

Insbesondere bei den Sauen ist hier oft Selbstkritik angebracht.

Zum Beispiel: anstatt auf die Kammer zu zielen, wird mitunter der fatale Versuch unternommen, den Kopf oder hinter den Teller zu treffen. Gebrechschüsse sind oft die Folge, die auch mit einem Schweißhund oft nicht zu bekommen sind, da der Bewegungsapparat ja nicht betroffen ist und sich das Stück sehr oft nicht stellt.

 

Ausblick

 Alle unsere Gespanne haben eine hessenweite Anerkennung durch das Regierungspräsidium Kassel.

Leider fehlt in Hessen immer noch eine Aufwandsentschädigung seitens des Landes, wie z.B. in Rheinland-Pfalz üblich.

Für die anfordernden Jägerinnen und Jäger arbeiten wir ehrenamtlich, d.h. kostenlos. Üblich ist eine Spende in Höhe der Fahrtkosten ( 30 Cent pro km ).

Wir haben uns auch etwas verjüngt. Dieser Prozess muss weitergehen.

Wir sind offen für junge Jägerinnen und Jäger, die aus dem Verein Hirschmann oder Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde kommend, sich dauerhaft bei uns der harten Nachsuchenpraxis verschreiben wollen.

Nicht nur für Nachsuchen und Kontrollsuchen, sondern auch für Fragen und Beratung sind wir jederzeit ansprechbar.

 

Fotos einiger derzeit eingesetzter Hunde

 Hier eine Auswahl der zur Zeit eingesetzten Hunde. Die Kurzbeschreibungen heben die „Persönlichkeitsmerkmale“ hervor.

 

 

 

 

 

 

 

Eik vom Marienbrunn, Zuchtbuch HS 2830, WT 19.2.2009

Führerbezogener Rüde mit ausgeprägtem Finderwillen ( Eigentümer und Führer Ralf Bördner )

 

 

Hera von der Nordeifel, Zuchtbuch HS 2933, WT 10.7.2010

Hündin mit beeindruckender Arbeitsweise, ehrgeizige Eigenkorrektur, Besitzer und Führer Winfried Wagner

 

 

Lupo vom Wolfskopf, Zuchtbuch HS 3213, WT 14.4.2015

Scharfer, hetzstarker Rüde, Eigentümer und Führer Dominic Steinborn

 

 

 

 

 

Nele vom Laubustal, Zuchtbuch BGS 11-051, WT 8.5.2011

Sehr ausgeglichene, ruhige Hündin ,Eigentümer und Führer Jürgen Zenner

 

 

Karlotta vom Kyffhäuser, Zuchtbuch BGS 14-029, WT 20.5.2014;

Leichte Hündin mit großem Fährtenwillen, Eigentümer und Führer Dirk Hannappel, derzeit nur örtlich eingesetzt

 

 

 

 

 

Ranie von der Ahle-Ritz, genannt Amsel, Zuchtbuch HS 2933,WT 12.3.2014

Ruhige, ausgeglichene und wesensfeste Hündin, Eigentümer und Führer Thomas Dichtl

 

 

Tora vom Rumpelsberg, Zuchtbuch BGS 11-45, WT 5.4.2011;

Sehr selbstbewusste, autonome Hündin mit unbändigem Arbeitswillen, Eigentümer und Führer Lothar Cramer