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Was tun bei einem Wildunfall

Es ist eine raue Novembernacht in der sich Frau M. mit ihrem Pkw auf der Heimfahrt befindet. Es regnet in Strömen und die Sicht ist stark begrenzt. Beim Durchfahren eines Waldstückes passiert es wie aus heiterem Himmel!

Ein dunkler Schatten gefolgt von einem dumpfen Aufprall der das Fahrzeug erschüttert, zeugt von der Kollision mit einem größeren Tier. Auf der regennassen Straße kam der Pkw erst einige Meter weiter zum Stillstand. Bei der Fahrzeugkontrolle stellte Frau M. fest, dass an ein weiterfahren nicht zu denken ist. Der rechte Kotflügel ist stark eingebeult und blockiert das Vorderrad auch die Fahrzeugbeleuchtung ist defekt, das Tier ist im Wald verschwunden.

Der Albtraum eines jeden Autofahrers ist eingetreten!

Was ist in einem solchen oder ähnlichen Falle zu tun?

Sofern keine Personenschäden zu beklagen sind, die Rettungsmaßnahmen erforderlich machen, ist in jedem Falle die Unfallstelle abzusichern und für eventuelle Folgemaßnahmen kenntlich zu machen. Dies kann ganz einfach durch zurücklassen eines Gegenstandes am Fahrbahnrand wie z.B. einer Plastiktüte, einem Papiertaschentuch oder einem anderen Gegenstand geschehen.

Foto: Thorben Wengert, Pixelio.de

Als nächstes ist die Notrufnummer der Polizei 110 anzuwählen und der Wildunfall mit Ortsangabe und Sachverhalt zu melden. Die Polizeidienststelle wird baldmöglichst einen Einsatzwagen entsenden und das weitere Vorgehen übernehmen, sowie ihnen für die Schadensregulierung eine Wildunfallbescheinigung ausstellen die von ihrer Kfz-Versicherung zwingend verlangt wird.

Sollte die Ausstellung einer Bescheinigung durch die Beamten nicht möglich sein, kann eine Wildunfallbescheinigung auch vom zuständigen Jäger bzw. jeweils zuständigen Forstamt (für Staatsreviere) ausgestellt werden.

Was geschieht nun im Hintergrund in der weiteren Folge?

Auf jeder Polizeidienststelle sind die verantwortlichen Jäger/Jagdaufseher oder Forstämter registriert, die für den entsprechenden Abschnitt in dem der Unfall geschehen ist, zuständig sind. Diese werden in aller Regel umgehend durch die Polizei informiert um dem verletzten Tier weitere Qualen zu ersparen bzw. dieses zu bergen und entsprechend zu versorgen.

Sollte das verunfallte Tier nicht auffindbar sein, treten in solchen Fällen sehr oft die angeforderten Gespanne des Nachsuchenrings Rheingau-Taunus mit ihren Hunden in Aktion und versuchen dem verletzten Wild habhaft zu werden, um ihm womöglich langes Siechtum, hervorgerufen durch innere oder andere Verletzungen, zu ersparen, bzw. seine Leiden zu verkürzen. Oft geht eine solche Nachsuche über viele Kilometer bei jedem Wetter und durch jedes Gelände und Vegetation.

Diese Arbeit ist für Hund und Führer sehr anspruchs- und gefahrvoll, deshalb sollten Informationen auf die Wildart, Fluchtrichtung, Verhalten usw. immer durch den/die Unfallfahrer den Polizeibeamten mitgeteilt werden, die dann die Informationen an die Verantwortlichen weitergeben, um ihnen für das weitere Vorgehen wichtige Anhaltspunkte zu liefern.

In jedem Falle sollte die Fahrzeuggeschwindigkeit immer den jeweiligen Tages und Geländeverhältnissen angepasst sein. Wildtiere sind unberechenbar in ihren Handlungen und können Geschwindigkeiten mit denen sich unsere Fahrzeuge bewegen nicht einschätzen.

Die Gefahr in einen Wildunfall verwickelt zu werden ist im ganzen Jahresablauf, unabhängig von Tages- bzw. Nachtzeiten  immer gegeben.

Foto: Gerhard Niessner, Nachsuchenring Rheingau-Taunus

Oft suchen Tiere an Straßenrändern im Grünstreifenbereich nach Nahrung oder nehmen nur Erde auf die vom Winterstreudienst mit Salz versetzt ist oder wechseln vom Wald in den Feldbereich und zurück um ihren Nahrungsbedarf zu decken. Auch in Paarungszeiten sind die Tiere vermehrt unterwegs und wechseln über Straßen ohne Gefahren zu erkennen.

Jeder Fahrzeuglenker kann in die Situation geraten mit Wildtieren zu kollidieren und sollte dann in der Lage sein richtig zu handeln.

Dennoch ist es weder dem Menschen noch dem Tier zu wünschen eine solche Erfahrung zu machen.

Autor: Gerhard Niessner / Markus Stifter